Burg Thurandt

Nach Aussage der vierten Fortsetzung der Gesta Treverorum erbaute der rheinische Pfalzgraf Heinrich, nachdem er aus dem Vorderen Orient zurückgekehrt war und die Wahl seines Bruders Otto von Braunschweig zum römisch-deutschen König 1198 unterstützt hatte, im Anschluss „eine Burg an der Mosel, die er Thurun nannte“ (… castrum edificavit super Mosellam, quod Thurunum appellavit). Dass diese Annahme der nicht immer zuverlässigen Chronik ernst genommen werden sollte, belegt neben dem Namen des Neubaus, der auf Burg Toron (heute Tibnin, Libanon) abhob, die zeitnahe nächste Erwähnung im Jahr 1209.
Zweifellos handelt es sich bei Thurandt also um eine pfalzgräfliche Gründung der Zeit nach 1198, die bald auf ungeklärte Weise in die Hände Erzbischof Engelberts 1. von Köln (1216-1225) gekommen war. Selbst eine auf Veranlassung Papst Honorius 111. 1218 abgesandte Delegation konnte Engelbert nicht dazu veranlassen, die Burg an Pfalzgraf Ludwig 1. zurückzugeben. 1238 nahmen Anhänger Pfalzgraf Ottos 11. einen noch von Engelbert 1. errichteten Turm vor der Burg durch List ein. Der im Anschluss daran im selben Jahr zustande gebrachte Waffenstillstand zwischen dem erwählten Kölner Erzbischof Konrad und dem Pfalzgrafen mit Gültigkeit bis zum 3. April 1239 beließ Thurandt nebst Turm in pfalzgräflicher Hand; erst 1243 ver¬zichtete der Kölner Erzbischof endgültig auf alle Ansprüche. Vorgebliche Übergriffe führten wenige Jahre später zur berühmten Belagerung von Thurandt, die angeblich schon 1246, spätestens aber am 13. April 1247 unter Erzbischof Arnold 11. von Trier begonnen hatte, dem später der kölnische Erzbischof zu Hilfe kam. Während der Auseinandersetzungen wurde die Burg vom gegenüberliegenden Bleidenberg (= Berg, auf dem Bliden, also Steinschleudern, auf¬gestellt waren) beschossen. Nachdem im Juli 1248 ein Entsatzversuch gescheitert war, musste sich die Besatzung unter dem pfalzgräflichen Marschall Berlewin Zurno von Alzey im September den Belagerern ergeben. Die Kosten der Belagerung hatte der Pfalzgraf zu erstatten, andernfalls sollte er die Burg nicht zurückerhalten. Zu einer solchen Entschädigung scheint es, wie spätere Quellen nahe legen, jedoch nicht gekommen zu sein; gemäß der Kölner Königschronik teilten die beiden Erzbischöfe die Burg mit einer Trennmauer und befestigten jeweils ihren Teil.
Im Verlauf des Spätmittelalters hatte diese recht ungewöhnliche Besitzkonstellation trotz aller Ansprüche der Pfalzgrafen Bestand, wie trierische und kölnische Burggrafen und Amtleute belegen. Seit dem 14. Jahrhundert zeigen zahlreiche Verpfändungen das nachlassende Interesse an der ehemals so umkämpften Anlage, die zunehmend aus den Schriftquellen verschwindet. Über die weitere Geschichte ist kaum etwas bekannt; angeblich wurde die schon zu Beginn des 17. Jahr¬hunderts dachlose Anlage 1689 von den Franzosen zerstört. Nach teil¬weise wenig auf die historische Bausubstanz Rücksicht nehmenden Wiederaufbauarbeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts befindet sich die Teilruine gegenwärtig in privaten Händen.
Die lang gestreckte, etwa rechteckige Grundform der Anlage lässt sich entlang einer ungefähr mittig gelegenen Trennmauer in eine nördliche und eine südliche Hälfte unterteilen, die beide einen Berg¬fried aufweisen. Reste der auf unterschiedlichen Niveaus die Anlage umfassenden Zwingermauern sind nur noch bruchstückhaft zu ent-decken.
Im südlichen Burgteil versinnbildlicht der heutige Haupteingang exemplarisch den Gesamtzustand der Burg: Zwar mittelalterlich an¬mutend, ist er dennoch eine Neuschöpfung aus der Zeit um 1920. Wei-tere Neubauten sind das an der Moselfront platzierte Hauptgebäude mit dem vorangestellten Kassenbaus sowie das Haus neben dem südlichen Bergfried, der somit in diesem Bereich als einziges mittel¬alterliches Relikt angesprocben werden darf. Dieser aus Bruchstein gefügte Rundturm – ohne konkreten Nachweis auch als „Trierer Turm“ bezeichnet – von etwa 20 Metern Höhe verfügt über Reste des Außenputzes sowie des originalen Zinnenkranzes, ln der Eingangseta¬ge mit dem nach Süden orientierten Hocheingang hat sich ein ein¬drucksvoller Abort in der Mauerstärke erhalten, dessen Entsorgungs¬schacht außerhalb der Burg mündet. Die auf der Ostseite folgende „Kapelle“ ist wiederum ein moderner Bau und als Reminiszenz an eine frühere vermutete Burgkapelle zu betrachten. Im Hof davor zeigt eine aufgemauerte, mit eingelassenen Blidenkugeln geschmückte Schachtumrahmung die Position einer mittelalterlichen Zisterne. Von dieser Stelle aus gut zu erkennen ist die einstige Trennmauer zwischen südlichem und nördlichem Burgteil, deren zur Mosel gelegener West¬teil noch frei steht, während die Fortsetzung auf der Gegenseite zwischen Gebäuden verborgen ist.
ln der nördlichen Burghälfte schließen sich entlang der Ostseite ein frühneuzeitlicher Weinkeller und moselseitig ein rekonstruierter Wehr-gang an. Bei den darauf folgenden Bauteilen, die bislang stets als Trennmauer und als ein zwischen Türmen liegender Wehrgang angesehen wurden, könnte es sich möglicherweise um die Reste eines hochmittelalterlichen Wohnturms handeln. Östlich davon befindet sich ein mittelalterlicher Wohnbau mit als Stall hergerichtetem Keller, von dem noch drei Außenmauern aufrecht stehen. Während die Fenster erneuert sind, zeigen die unveränderten Seitenwände die Standorte ehemaliger Kamine (innen) und des Kaminzuges (außen) an. Der seinem südlichen Pendant ähnelnde, aber etwas niedrigere nördliche Bergfried (volkstümlich „Kölner Turm“) scheint neben dem Hocheingang in Richtung Mosel noch einen weiteren Zugang zum angrenzenden Wohnbau besessen zu haben. Die heutige Erschließung über einen Wehrgang von Osten und das „Jagdhaus“, das die Burg nach Norden abschließt, sind moderne Schöpfungen.
Ähnlich wie die Geschichte harrt auch die Baugeschichte von Burg Thurandt noch der gründlichen Erforschung. Als Gründungsbau um 1200 könnte der vermutete Wohnturm mit Ecktürmchen in der Nord¬hälfte angesehen werden. Die endgültige Ausdehnung der Kernburg wird erst nach der Teilung 1248 erreicht worden sein, als vermutlich auch die beiden runden Bergfriede errichtet wurden. Möglicherweise geht der rudimentär erhaltene zweite Wohnbau ebenfalls in diese Zeit zurück.

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