Burg Treis

Ein weiteres Beispiel für den erheblichen Forschungsbedarf geben die beiden nahe dem Ort Treis (heute Treis-Karden) gelegenen Burgruinen Treis und Wildburg. Die bisherigen Erträge der ohnehin recht bescheidenen Forschungen haben inzwischen für größte Verwir¬rung gesorgt. Tatsächlich kann nicht mit letzter Sicherheit festgesetzt werden, bei welcher der beiden Anlagen es sich um Burg Treis und bei welcher um die Wildburg handelt. Jüngere Zuweisungsversuche, nach denen der Baubefund der heute gemeinhin als Treis bezeichneten vor¬deren Ruine wegen eines im Innenbereich liegenden angeblichen Gra¬bens auf eine Vorgängeranlage deutet, die erst später als Wildburg nachweisbare hintere Anlage in ihrer Substanz aber demgegenüber jünger wäre, lassen sich nicht bestätigen.
Gesicherte Erkenntnisse ergeben sich erst aus einer Erkunde Erz¬bischof Brunos von Trier (1102-1124) von 1121, aus deren Datie¬rungszeile sich ergibt, dass Kaiser Heinrich V. im selben Jahr „im Dorf Treis übernachtete, als er die Burg (castrum) eroberte, die Graf Otto gegen ihn errichtet hatte“. Weitere Einzelheiten über diese von Otto von Rheineck wohl kurz zuvor errichtete Befestigungsanlage und die erfolgreiche Belagerung durch Kaiser Heinrich V. sind nicht bekannt. Die Annahme einer noch früheren Burg, die einem Grafengeschlecht von Treis, das vor 1122 mit Graf Bertolf ausgestorben war, gehörte, lässt sich nicht belegen.
1148 hatte Hermann von Stahleck die Burg wieder aufgebaut und neu befestigt, woraufhin Otto von Rheineck – die für ihn verlorene – Anlage auf Erzbischof Adalbero von Trier übertrug. Die daraufhin erfolgte Belagerung durch trierische Truppen, der schließlich auf¬gegebene Entsatzversuch Hermanns und der Abzug der Burgbesat-zung werden in den Gesta Treverorum ausführlich, aber sehr einseitig und übertrieben geschildert. Seit dieser Zeit gehörte Burg Treis zum Erzbistum Trier, und noch unter Erzbischof Hillin wurde angeblich ein Turm errichtet.
Mit der Entscheidung zu Gunsten Triers verband sich für Treis ein am Mangel an Schriftquellen deutlich ablesbarer Bedeutungsverlust. Die ehemals umkämpfte, nun dem trierischen Amt Balduinseck (Burg nahe Kastellaun) zugeschlagene Burg wurde von einem erstmals vor 1277 nachgewiesenen Burggrafen verwaltet, dem erzbischöfliche, mit Burg¬lehen versehene Burgmannen zur Seite standen. Diesen Burggrafen wie auch den Großteil der nachgewiesenen Burgmannen stellte in der Folgezeit ein gleichnamiges Geschlecht der „Freien“ von Treis, das zu den trierischen Ministerialen gezählt wurde.
ln Lehen- und Amtsbesitz folgten der Familie von Treis vom 14. bis 18. Jahrhundert neben anderen die Herren von Pyrmont, die Herren von Winneburg-Beilstein (später Freiherren von Metternich) und die Herren (später Grafen) von Eltz. Zu unbekannter Zeit zur Ruine geworden, wurde von der sehr gefährdeten Anlage allein der Turm in jüngster Zeit saniert und mit einem Dach versehen.
Der alte Burgweg stellt auch heute noch den einzigen Zugang zur Ruine dar. Die am Hang übereinander gelegenen ersten beiden, nur noch rudimentär erhaltenen Tore ergaben einen Zwinger, in dem sich der Weg in einer Spitzkehre nach oben windet. Nach Passieren des zweiten Tors, auf das Mauerreste mit Einschubloch für den Riegel¬balken hinweisen, zeigt sich die hoch aufragende Mauer der Kernburg mit einem aus Grauwackenschiefer gefügten Verband.
Erhalten hat sich das Haupttor zur Kernburg, eine rundbogige Öff¬nung mit einem drei Meter langen Riegelbalkenloch in der Torlaibung, deren Überlagsbalken auf der Innenseite der Stabilisierung der Öff¬nung dient. Dieselbe Mauer wartet dicht unterhalb mit einem wei¬teren originalen Toreingang auf, der zu einem späteren Erweiterungs-bau des dahinter befindlichen Wohngebäudes gehört. Auch zu diesem Haus existiert noch der ursprüngliche Zugang. Das Erdgeschossniveau im Gebäude lässt sich anhand der Aussparungen für Balkenköpfe in der Westwand erschließen.
Ein weiteres ruinöses und inzwischen stark überwachsenes Gebäude, das als Kapelle gilt, befindet sich etwas unterhalb am östlichen Berg¬hang. Die einzig über Bodeniveau aufragende südliche Mauerpartie weist eine Vertiefung auf, die als Altarnische angesprochen wird. Darüber hinaus folgt in Verlängerung der Gebäudemauer nach Süden in einiger Entfernung das Fundament eines kleinen Rundturms (im Grundriss nicht verzeichnet).
Der Weg zum Plateau der Kernburg führt entlang des östlichen Wohn¬hauses, wobei eine Schlupfpforte neben dessen Südwestecke Auf¬merksamkeit verdient. Ein Ost-West orientiertes längliches Gebäude, vermutlich ein Wirtschaftsbau, ist nur anhand der ungewöhnlichen spitzwinklig aufragenden Mauerecke klar auszumachen. Die noch mehrere Meter hohe Trennmauer zweier einst großer Häuser am West¬hang zeigt eine Vielzahl von Rüstlöchern, in welchen vereinzelt noch Holzreste verborgen sind. Besonders auf der Ostseite ist die Trennung zwischen Wohnebene und Keller mit und ohne Putz bzw. Mörtel anschaulich nachvollziehbar.
Der derzeit unzugängliche, wohl aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammende Bergfried als das bedeutendste erhaltene Baurelikt weist fünf Geschosse auf, die durch Balkendecken getrennt waren. Sein Uocheingang ist heute wie damals nur über eine hölzerne Plattform zu erreichen, deren originale Balkenreste sich noch in Aussparungen erkennen lassen. Der bis auf die erneuerten Fenster im Obergeschoss völlig unbelichtete Turm verfügte über einen Abort und einen Spül¬stein, wie der Auslass des Schachtes im dritten und der Ausgussstein im vierten Geschoss beweisen.

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