Burg und Schloss Waldeck

Trotz mehrerer Nennungen von Personen „von Waldeck“ seit 1124 kann von einer Befestigungsanlage selben Namens erst im Jahr 1243 ausgegangen werden, als die vier Ritter Herbert, Udo, Winand und Bosso – dieser wohl der Stammvater der späteren Linie Boos von Waldeck – die ihnen eigene Burg Waldeck (castrum Waldecke) dem Kölner Erzbischof Konrad (1238-1261) zu Lehen auftrugen. Jahr¬zehnte später, 1285, verglichen Johann und Winand von Waldeck die streitenden Brüder Wilhelm und Udo und bestimmten unter anderem, dass Udo sein Haus weiterhin besitzen, aber bei einem Umbau nicht den gemeinsamen Weg verengen und Türen oder Fenster an der Rück¬seite des Hauses anbringen durfte und dass er darüber hinaus auch die hintere Pforte benutzen konnte.
Mit der Aufnahme Erzbischof Balduins von Trier durch die beiden Gemeiner Ritter Hertwin von Winningen und seinen Sohn Dietrich in ihren Burganteil 1327 beginnen die Versuche einer trierischen Einflussnahme im 14. Jahrhundert, die nicht zuletzt zur Eltzer Fehde (1331-1336/37) führen sollten. Wie die Friedensurkunde von 1336 dokumentiert, hatten derselbe Hertwin von Winningen, Johann gen. Boos, Ritter Rudolf und dessen Bruder Wilhelm sowie Winand als Gemeiner der Oberburg (von der Obernburg) und, von den Gemeinem der Niederburg (von der Nederburg), Wilhelm gen. von Kerpen, Johann gen. von Battenberg, Simon gen. von Wiltz sowie Wilhelm gen. von Schönburg an den Kämpfen gegen Balduin teil¬genommen. Spätestens zu dieser Zeit also existierten bereits eine Ober- und eine Unterburg Waldeck, die jeweils eine Burggemeinschaft aufnahmen.
Von den zahlreichen Linien überlebten letztlich nur die Boos von Waldeck, die 1680 zu Freiherren und 1790 zu Reichsgrafen erhoben wurden. Auf ihre Initiative wurde in den Ruinen der Ende der 1680er Jahre von den Franzosen zerstörten Burg in der Niederburg 1720 ein schlossartiges Gebäude errichtet, das noch bis 1833 im Besitz der Familie verblieb, ln private Hände übergegangen, wurden Burgruine und Schloss von 1850-1910 als Steinbruch ausgebeutet und gerieten rasch in Verfall. Der 1968-1970 durchgeführte Neubau der Oberburg durch die Jugendbewegung Nerother Wandervogel gab diesem Burg¬teil ein völlig neues und ahistorisches Gesicht, während die Niederburg gegenwärtig immer stärker verfällt.
Burg Waldeck gliedert sich in baulicher Hinsicht in die kleine, heute Wohnzwecken dienende und daher völlig veränderte Oberburg – von ihr ist nur die nordöstliche Schildmauer erwähnenswert – sowie in die erheblich umfangreichere, tiefer gelegene Unterburg (im Luftbild im Bereich der großen Wiesenfläche). Welche Anlage der Burg von 1243 entspricht, gilt bislang als ungeklärt. Die umfangreichen Außenwehren der Unterburg wurden bereits ab dem 14. Jahrhundert erbaut und in der Folge erweitert.
Das Areal der Niederburg, durch einen Halsgraben vom Bergsattel abgetrennt, wurde durch den Schlossbau ab 1720 grundlegend über¬formt. Dessen noch in U-Form aufragendes Mauerwerk ist teilweise bis auf Höhe des zweiten Geschosses erhalten und besitzt eine reiche Durchfensterung. Nordöstlich angebaut springt eine Kapelle mit dreiseitig geschlossenem Chor aus der Bauflucht hervor, die trotz ihres bedauerlichen Zustands noch Reste der ursprünglichen Innen¬ausmalung aufweist. Auf dem geglätteten Fels davor befindet sich eine Zisterne.
Die einzige mittelalterliche Dominante stellt ein Rundturm an der südlichen Felskante dar, der die vom westlichen Tor zur Burg führende Auffahrtrampe deckte. Dieser Turm bildet mit einer noch aufrecht stehenden Partie der Ringmauer, deren Wehrgang über eine noch erhaltene Treppe zugänglich ist, eine bauliche Einheit. Veränderte Fensteröffnungen und zugesetzte Schießscharten charakterisieren das mehrgeschossige Verteidigungsbauwerk.
Die Bedeutung der östlich anschließenden, möglicherweise durch einen schmalen Graben geschiedenen Freifläche – Standort einer Vorburg, Sitz der Burgmannen oder frühe Bastion – ist noch unerforscht. Die mehrere Meter hohe und über 60 Meter lange Südmauer bietet außerhalb der Vegetationsperiode einen imposanten Eindruck. Weitere dort vorgelagerte Zwingeranlagen, in der Nähe des Zugangs im Südwesten mit einem runden Flankierungsturm ver¬sehen, reichen nicht mehr über Bodenniveau hinaus und sind ebenso wie die mehrfach gestaffelten Außenwehren im Osten nur noch frag¬mentarisch erhalten. Das Rundungen und Ecken ausbildende, über¬wachsene und zum Teil verstürzte Bruchsteinmauerwerk entzieht sich einer näheren Datierung. Allein der beeindruckende Block aus gut geschichtetem Mauerwerk mit zwei Ecktourellen nördlich der Anlage dürfte mit größerer Bestimmtheit dem 14. Jahrhundert zuzuschreiben sein.

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