Winneburg

Im Hintergrund der Silhouette von Cochem ragen deutlich sichtbar die Ruinen der Winneburg in etwa 300 Metern Höhe über dem Endertbachtal auf. Die wunderschön gelegene Burg wird gesichert erstmals 1287 indirekt mit einem Wirich von Winneburg (Wiricus… de Wünnenberg) erwähnt; angebliche frühere Nennungen von gleichna¬migen Personen aus den Jahren 1248, 1251 und 1277 sind nicht ohne Zweifel verwendbar. 1295 verzichtete Erzbischof Boemund 1. von Trier auf Zusagen, die ihm wohl derselbe Wirich gemacht hatte, doch konnte sein Nachfolger Dietrich 111. 1304 erreichen, dass der Winne¬burger ihm seine Burg zu vererbbarem Lehen auftrug, öffnete und sich zur Gefolgschaft verpflichtete. Noch bis weit in die Neuzeit hin¬ein ablesbare Anrechte, vielleicht sogar eine ursprüngliche Eigner¬schaft des Erzbistums Köln traten dagegen fast vollständig in den Hintergrund, ln der Eolgezeit wurde die Burg bis 1806 durchgängig als trierisches Lehen ausgegeben.
Nachdem sie durch die Ehe Kunos 1. von Winneburg mit Lisa von Braunshorn 1361 in den Besitz der braunshornschen Lehen gelangt war, öffneten – wohl deshalb – deren Söhne Kuno 11. und Gerlach ihre Stammburg auch den Grafen von Sponheim und den Erzbischöfen von Köln sowie 1379 den Herzogen von Luxemburg. Nach Annähe¬rungen an die Pfalzgrafen bei Rhein (1371 und 1400 Öffnungsrecht) und einem 1488 abgeschlossenen Hilfsvertrag zwischen Kuno 111. von Winneburg und Kurfürst Philipp von der Pfalz ergab der daraufhin ausgebrochene „Beilsteiner Krieg“ im Wesentlichen eine Bestätigung der trierischen Lehnshoheit über die Burg, die von Erzbischof Johann 11. von Trier belagert worden war.
Nach dem Aussterben der Herren von Winneburg-Beilstein 1637 wurde die zuvor im Dreißigjährigen Krieg von spanischen Soldaten besetzte Anlage von Erzbischof Johann 111. von Trier als erledigtes Lehen eingezogen, 1652 aber an die Freiherren von Metternich ver- lehnt. 1688 von französischen Truppen belagert und eingenommen, wurde die Burg bei deren Abzug ein Jahr später zerstört. Mehrfache, nicht immer glückliche Sanierungen im 20. Jahrhundert haben im¬merhin den dennoch sehr eindrucksvollen Baubestand der bedeu¬tenden Anlage sichern können.
Aus der Erbauungszeit, die sich gemäß Baubefund in das zweite Viertel des 13. Jahrhunderts verlegen lässt, hat sich allein der alles überragende Bergfried mit etwa 17 Metern Höhe erhalten. Im unzu¬gänglichen Inneren sind über einem hohen gewölbten Sockelgeschoss noch zwei weitere, durch eine Treppe in der Mauerstärke verbundene Etagen mit schmalen Schlitzfenstern, Kaminen und einem Abort teil¬weise vorhanden. Der Zutritt erfolgte über einen Hocheingang, von dessen Podest Spuren in Form von Balkenlöchern zu bemerken sind. Durch eine Erweiterung im 14. Jahrhundert kamen die östlich und südlich anschließende Unterburg sowie der tiefer gelegene westlich vorgelagerte, teilweise später reparierte Zwinger hinzu, der mit zwei Schalentürmen, Schießscharten und einem Wehrgang auf der Mauer die äußere Verteidigungslinie hinter dem beeindruckenden Halsgraben bildete. Die in den Türmen anzutreffenden länglichen Schlitzschar¬ten für Armbrust und Bogen stammen noch aus dieser Zeit, während eine liegend rechteckige, mit einem Prellholz für den Einsatz einer Hakenbüchse ausgestattete Scharte frühestens im 16. Jahrhundert eingefügt wurde.
Die Kernburg erreicht man durch den originalen rundbogigen Tor¬eingang mit späterer Tordurchfahrt und nördlich folgender kleiner Wachtstube. Neben dem Tor befindet sich der Rest eines an den Palas gebauten Turms mit Rundbogenfries, von dem sich nur der unzugängliche Sockel und das erste Geschoss mit Schießscharten und einer Gewölbeöffnung vollständig erhalten haben.
Den angrenzenden, ursprünglich wohl dreigeschossigen Palas mit seinen beiden Tourellen – davon nur die südliche von innen begehbar – erhellten einst sechs in Nischen liegende Fenster. Während die vier westlichen Nischen modern erneuert sind, wurden die übrigen Fenster bereits im 16. Jahrhundert verkleinert. Der Schacht in der verstärkten Nordostecke diente als Brunnen, konnte jedoch nicht vom Palas, sondern nur vom obersten Burghof neben dem Bergfried aus benutzt werden. Die innere Erschließung dieses Gebäudes erfolgte über die noch einige Stufen zeigende Treppe innerhalb der Mauer.
Ein kleines Gebäude nordöstlich des Bergfrieds, zu dessen tonnen¬gewölbtem Keller eine Treppe führt, gilt als Küchenbau. Gleichzeitig mit ihm dürfte auch der südlich gelegene dreigeschossige Wohnbau entstanden sein, der im rudimentär erhaltenen zweiten Geschoss noch einen Kamin aufweist.
Ein Gutteil der heute sichtbaren Reste entstammt der Zeit nach dem 14. Jahrhundert. Abgesehen von Reparaturen im westlichen Zwinger wurde im Nordosten ein weiterer, kaum noch erhaltener Zwinger mit halbrundem Elankierungsturm und heute ruinösen Wirtschaftsbauten angelegt, ln der Kernburg kamen die östlichen (Wirtschafts-)Gebäude neu hinzu. Blickfang des Hofs ist der zweigeschossige Wohnbau mit vorgelegtem Treppenturm, der wohl zeitgleich mit der Tordurchfahrt im späten 15. Jahrhundert entstand. Die im Erdgeschoss des nordwest¬lichen Teils noch erkennbaren Reste eines Kamins und eines Kreuz¬gratgewölbes aus der Zeit nach 1605 wurden lange Zeit fälschlich als Burgkapelle gedeutet. Tatsächlich ist der Standort einer den Heiligen Felix und Adauct geweihten, 1333 bezeugten Kapelle, die in jüngster Zeit unmittelbar über dem Tor vermutet wurde, noch immer ungeklärt.

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